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Alltag eines Musikers

Jan 14, 2019 | Behind the Scenes

Dieser BLOG-Artikel ist für all jene, die vielleicht einmal mit dem Gedanken spielen diesen Lebensweg einzuschlagen. Und er ist auch für alle die es interessiert, was ein Musiker so alles neben seiner Unterrichtstätigkeit zu erledigen hat.

Dieser Artikel ist auch für alle Politiker, die einmal eine Vorstellung davon bekommen wollen an welchen Ecken und Enden freischaffende im Bereich Kunst und Kultur überall ansetzen müssen um Einnahmen zu schaffen. Denn „der Mensch lebt (..zwar…) nicht vom Brot allein“ wie es im sogenannten „Buch der Bücher“ heißt (Matthäus 4,4), aber er lebt halt auch nicht nur von Liebe, „Balsam-für-die-Seele“ und Kunst und Kultur. Aber, weil auch die letzten drei so wichtig sind, ist es Musikern immer wieder vergönnt davon leben zu können. Dennoch habe ich über die Jahre immer mehr den Eindruck bekommen, dass viele Menschen sich nur schwer vorstellen können, was es bedeutet Musiker zu sein. Was gehört alles zum Alltag in diesem Beruf? Wie sieht das Leben welches sich einer Leidenschaft widmet und gleichzeitig oft etwas bescheiden geführt werden muss aus? Ja viele angehende Berufsmusiker, Profis oder Musikstudenten haben auch oftmals keine genaue Vorstellung. 

In der Vergangenheit habe ich oft festgestellt, wie Menschen auch aus meinem näheren Umfeld, wie Bekannte, Verwandten und auch Freunde dies in keiner Weise bewusst war. Dies ist auf gar keinen Fall als Vorwurf zu verstehen! – Wer weiß heute schon genau das Arbeitsfeld eines Bekannten genau zu schildern…?

Es kamen Sätze wie: „Ja cool wenn du erst um 2 Uhr mittags in der Musikschule anfängst zu unterrichten hast du ja einen „ge-chillten“ vormittag.“ Oder:  „Ja, du kannst ja ausschlafen…“

Weit gefehlt! Wenn man von der Musik leben will, gibt es unterschiedlichste Lebensentwürfe.

Meiner hat viel mit der Basis des Unterrichts zu tun. Er gibt mir eine relativ sichere Einnahmequelle und Freude, um dann als „i-Tüpfelchen“ mit Auftritten und dem Live-Musikerdasein ebenfalls Einnahmen zu kreieren. Derzeit ist dies definitiv die Basis auf der ich alles Weitere aufbaue.

Alle Lebensentwürfe haben aber eines gemeinsam: Es gibt viel um die Musik und die genannten Freuden herum zu tun, um sich eine Existenz aufzubauen die einen glücklich macht und der Leidenschaft, welche alle Musiker teilen, für sich selbst auch gerecht zu werden.  (Lest hierzu auch in diesem „stay organized“ – Blog-Artikel weiter)

„Simon, was machst du eigentlich beruflich nach deinem Studium?“, fragte mich vor ein paar Jahren einmal ein Schüler in der Musikschule an der ich auch tätig bin.

Ja, das war eine für ihn spannende Frage und mich hat sie erst einmal kurz verwirrt. Bis mir klar wurde, dass sie aus zwei Punkten heraus entstand:

Zum einen war ihm der Beruf „Musiker“ nur in Verbindung mit „Pop-Stars“ bisher ein Begriff. Zum Anderen war dem Schüler nicht ganz klar, dass es auch Teil des Berufes ist an einer Musikschule oder anderweitig zu unterrichten. Er wusste nur das ich Musik studierte und konnte sich keinen Reim darauf machen, dass man danach auch weiterhin und zum Teil auch ganz viel unterrichten wird.

Vereinfacht gesagt: Musiker ist nicht gleich Popstar, sondern ein Musiker ist und muss heutzutage oftmals auch ein freischaffender „(Über-)Lebenskünstler“ im Bereich von Musik, Kunst und Kultur sein.

Kleiner Exkurs für Politik-Interessierte

Das liegt an vielen Dingen. Einer der großen Gründe dafür, ist: Für Musik und auch Musik-Unterricht im Land der Dichter und Denker ist kein Geld mehr übrig. Es gibt wenig staatliche Förderungen für Unterricht, dennoch muss er aber für die Menschen bezahlbar bleiben und nicht nur einem wohlhabenderen Kreis zu finanzieren sein. Des Weiteren ist Musik durch das Internet für jeden frei zugänglich und meist für einen geringen Betrag bei Streaming-Diensten schnell abrufbar. Es wird schneller konsumiert und viele Menschen sind nicht mehr bereit für etwas wie Live-Musik, die vom Moment lebt und schnell vergänglich ist, viel Geld auszugeben. Mit Ausnahme vielleicht von großen Events und Stars. Mit denen eine ganze Musik-Branche, Veranstalter, Konzerthallen, Agenturen etc. in der Nahrungskette des „Musik-Kapitalismus’“ Geld verdienen können und im Sog der „großen Namen“ leben können. Der „kleine“ einzelne Freiberufliche Musiker, der wenn er nicht im populären Musikbereich fuß-fasst und bei einigen großen Jobs den sog. „Fuß in die Tür“ bekommt und vielleicht eher in Nischen Bereichen des Jazz oder gar der Klassik unterwegs ist, kann da schon was seine Einnahmen Situation betrifft ins „Schwimmen geraten“.

Klar ist aber auch: Wir alle – alle die Musik zu ihrem Beruf gemacht haben – haben diesen Weg nicht gewählt, weil Sie erwartet haben sich damit eine goldene Nase verdienen zu können.
Und die Unterrichtstätigkeit reißt den Musiker welcher mal eine schlechtere Auftragslage hat nicht aus einem möglichen finanziellen Loch.
Was die Unterrichtstätigkeit in fast ganz Deutschland betrifft, so gibt es eigentlich kaum noch feste Anstellungen nach Tarifverträgen.
Das Meiste findet unter oftmals schlechten Honorarverträgen statt:
Schlechte Bezahlung (nach Abzug aller Ausgaben wie z.B. Versicherungen, schnell mal unter dem Mindestlohn) Krank sein ist kaum möglich, da sonst kein Einkommen. Nur um einmal zwei heftige Bedingungen zu nennen die nicht selten vorkommen.

Die Politik ist hier gefragt! Genau so wie eine Diskussion in der politischen Gesellschaft über die Wichtigkeit musikalischer Bildung und Förderung vieler geistiger Fähigkeiten durch die Musik, längst überfällig ist. Über dieses Thema könnte man seitenweise schreiben. Ich wollte hier dennoch einmal kurz darauf eingehen, weil es irgendwie zu diesem Blog-Thema gehört. Die gesellschaftlichen, wie politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen haben nämlich definitiv einen großen Einfluss auf den Arbeitsalltag eines Musikers!

Dies alles bringt mich jetzt einige Jahre nach der Frage des Schülers, „Simon, was machst du eigentlich…, dazu einen Einblick in meinen Alltag zu geben und wie dieser beispielsweise am Beispiel eines Tages aussehen kann. Natürlich ist nicht jeder Tag gleich. Was einer der großen Vorzüge einer guten Berufswahl ist. Dies soll hier keine analytische  Arbeitsfeld und Tätigkeit Beschreibung werden. Ich will lediglich mal einen Einblick geben, weil ich wie beschrieben immer wieder feststelle das vielen – was in keiner Weise ein Drama ist – gar nicht bewusst ist was man als Musiker so den lieben langen Tag macht.

Gut möglich, dass der Gedanke an lange Nächte und langes Ausschlafen immer noch weit verbreitet ist. Wie ein Studentenleben nur ein Leben lang… Kann ja sein, dass es solche Lebensentwürfe bei Kollegen von mir noch gibt… für mich gilt da jedoch: Leider weit gefehlt!
Denn: Man hat als Freiberufler im Bereich der Musik unzählige Aufgaben zu erledigen, die zusammen mehr als tagesfüllend sind. Ein perfekter Tag könnte wie folgt aussehen:

MORGEN (nach dem Aufstehen)

Wenn ich morgens aufstehe, die üblichen Dinge die jeder Mensch macht getan habe, mache ich mir meinen Kaffee und sehe zu, dass ich zunächst direkt an die Gitarre komme. So habe ich schon einmal eine gewissen Zeit Kontakt zum Instrument bekommen und starte mit einem guten Gefühl in den Tag. Dies hilft sehr, da oft schneller als gedacht Ereignisse auftreten können die einem vom wichtigsten, der Musik abhalten können.

In dieser ersten Session am Instrument arbeite ich meistens Teile meines Übeplans ab, die da fast immer draufstehen. Etwas Technische Fertigkeiten an der Gitarre; etwas Gehörbildung etwas Blattspiel

(Kleiner Einschub: Ja man darf es ruhig glauben, Gehörbildung! Damit stehen selbst viele Musikstudenten auf Kriegsfuß und lassen diesen trägen Part oft außer acht. – Ich nach dem Abschluss meines Studiums im übrigen auch lange Zeit. Ich brauchte es nicht mehr in dem Maaße. Vielleicht beschreibe ich einmal in einem anderen BLOG-Artikel wie Gehörbildung auch Spaße machen witzig sein und jedem in kurzer Zeit auch etwas bringen kann.)

VORMITTAG

Nach diesem Start in den Tag folgt ein kurzer Check der neu eingegangen Mails. Hier schaue ich nur drüber ob irgendetwas dabei ist, was nicht warten kann.

Der Rest wird später bearbeitet. Nichts kann mehr die Tages-Planung torpedieren, als das beantworten von nicht ganz dringenden Emails. Sie sind das was vor 10 Jahren noch Anrufe waren die im falschen Zeitpunkt für Unterbrechungen sorgten. Zum Glück kann man dies aber selbst steuern, auch wenn es nicht immer ganz leicht ist manch interessante willkommene Ablenkung auszublenden.

Eine nächste Übe-Session folgt. Hier beschäftige ich mich meist mit neuem Material. Ein neues Stück, ein Groove, ein Gitarrensolo oder das verwenden neuer Licks.

Alles was eben auf einer To-Do Liste zum verbessern der Fähigkeiten und erweitern des Repertoires stehen kann.

Fast immer ist hier auch etwas Impro-Training enthalten. Beim Anwenden neuer Licks über eine Akkordfolge oder beim Solieren über ein bestimmtes Stück.

Stehen Auftritte an, wiederhole ich in dieser längeren Session am Vormittag auch etwas Repertoire und u.a. Timing (Tempi der Stücke und Timing in Soli) wird verinnerlicht.

MITTAGSZEIT

Falls zwischen dem Zubereiten eines Mittagessens und dem Essen genug Zeit ist, widme ich mich hier neuer Anfragen, mache hierzu Kalkulationen und nehme per Email und wenn möglich auch per Telefon Kontakt zum Kunden, Anfrager und Interessierten auf. Dies ist meine kurzes Booking Intervall.

Nach dem Essen oder manchmal auch währenddessen schon gehe ich den anstehenden Unterrichtsnachmittag durch und bereite mich aus meinen Aufzeichnungen heraus auf den Nachmittag vor.

NACHMITTAG

Dann geht es an meinen „Musikschul-Nachmittagen“ oft mit dem Mountainbike und der Gitarre in meinem Mono MS80 Case auf dem Rücken los. Ab zur Musikschule Langen. Ab übers Feld und durch den Wald. Ein Moment zum durchatmen.

Nach einem Unterrichtstag mit Schülern gemischter Altersgruppen, geht es dann genau so wieder heim.

ABEND

Nach einer Dusche zum Aufwärmen oder Erfrischen (je nach Jahreszeit). Fahre ich entweder nach schnellem Abendessen zu unterschiedlichen Proben oder ich bringe an ruhigen Tagen meinen derzeit einjährigen Sohn ins Bett. Bei letzterem lässt der Abend noch Raum für oft wichtige Booking-Telefonate um mit den Kunden persönlichen Kontakt aufzubauen. Die meisten Menschen erreicht man nicht wenn der Musiker flexibel Zeit hat (vormittags), sondern aufgrund ihres Arbeitsalltages eher am Abend. Deshalb ist dieser abendliche Arbeitsschritt immer wieder unumgänglich.

Wenn nach allem noch Zeit und zugegebener Maßen auch Kraft und Energie noch da ist widme ich mich diesem BLOG hier.

Zu all den geschilderten Abläufen ist zu sagen, dass sie sich sich immer wieder verschieben und immer wieder entschieden werden muss, was das aller Wichtigste für diesen Monat, diese Woche oder diesen Tag im speziellen ist. Natürlich habe ich immer wieder Tage die aus dieser Reihe springen, mit Zeit für Freunde, sportliches und anderes, Familie und Lebensfreude außerhalb der Musik. Ich versuche die Zeit für diese wichtigen Dinge immer als „Auftank-Phasen“ für meinen musikalischen Alltag zu sehen. Was sie letztendlich natürlich auch sind!

Eure Meinung interessiert mich! Schreibt mir gerne! Diskutiert mit mir über die „Schauplätze“ und Themen, wie auch „Nebenschauplätze“ dieses Blog-Artikels.

Wie sehen eure derzeitigen Lebensentwürfe aus. Wofür seit ihr besonders dankbar?

Eines der grandiosesten Dinge, für welches ich sehr dankbar bin, ist die Möglichkeit der flexiblen Gestaltung meines Alltages. Wenn der Kopf mal frei gemacht werden muss kann ich fast jeden Vormittag meinen Arbeitsplatz mit Macbook Pro oder Fender Stratocaster nach draußen oder anderswohin verlegen. Oder aber, wenn es  einmal sein muss, schwinge ich mich einfach aufs Mountainbike und drehe eine Runde durch Feld, Wald und Wiesen.

Euer Simon 😉

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Simon Steinhäuser

(Dipl. Instrumentalpäd. - Gitarrist)
Rheinstraße 27, 63303 Dreieich
Tel: 06103-3764938
Mobil: 0177-6142823
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