Simon Steinhäuser – Musiker und Gitarrist

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Grundhaltung – Klassische Gitarre

Dez 3, 2018 | An der Gitarre

Ein kurzes aber sehr wichtiges Thema für alle Gitarristen. Vielleicht auch sogar für manchen der noch recht neu an der E-Gitarre ist.

Stellen wir uns vorerst aber doch einmal vor wir würden Klavier spielen.
Wir sitzen so da – vor unserem Klavier und spielen. Beim Spielen bewegt sich jedoch das Klavier und seine Tasten auf und ab und hin und her.

Habt ihr die Vorstellung? Ganz schön schwer da die richtigen Töne zu treffen,
was meint ihr?

Am nächsten Tag sitzen wir wieder am Klavier. Jetzt ist die Tastatur links höher und rechts tiefer zum Boden. Richtig schief! Am nächsten Tag dann wieder gerade und am Übernächsten ist sie rechts höher als links.

Ihr könnt es euch vorstellen: Es ist ganz schön schwer für unseren Körper ein Gefühl für das Klavier, sowie ein Gespür dafür zu entwickeln, wie wir möglichst leicht spielen können und die Töne treffen können, die wir auch treffen wollen. Unser Kopf und unser Gespür in den Fingern kann sich überhaupt nicht merken wo welcher Ton liegt, da er jeden Tag woanders zu finden ist und dann auch noch ständig beim Spielen seine Position ändert.

Worauf will ich hinaus? Zum Glück steht ein Klavier ja stabil!

Die Gitarre leider nicht! Sie ist ein Instrument, welches nicht stabil steht. Sie ist eines wie viele Andere, dass wir in unseren Händen, an unserem Körper und auf unserem Schoß halten. Umso wichtiger ist es also das wir aktiv und mit Stabilität mit der Gitarre sitzen und vor allem erst einmal eine Position finden, in der wir der Chef über die Gitarre sind und nicht umgekehrt. Wir sollten das Gefühl bekommen Kontrolle über Sie erlangen zu können.
Dies ist erst einmal viel wichtiger als die bevorzugte Haltung für die wir uns Entscheiden. Das wichtigste ist, das wir dafür sorgen, das die Töne die wir „treffen“ / spielen wollen sich immer am gleichen Ort befinden. Nur so kann sich unser Kopf und unser Gespür in den Fingern bestimmte Abläufe und Bewegungen auch merken.

Über die letzten Jahrhunderte hat sich eine Haltung (um die es hier gehen wird) als die am meisten praktizierte und auch für viele – in jedem Fall zu Beginn – als die Haltung herausgestellt, die am praktischsten ist.

SCHRITT FÜR SCHRITT ANLEITUNG FÜR DIE KLASSISCHE GITARREN HALTUNG:

  • wir stellen unseren linken Fuß auf eine Fußbank, erhöhen somit unser linkes Bein auf welches wir die Gitarre nun ablegen. (Hier gibt es auch noch andere Möglichkeiten, aber die beschriebene ist die Gängigste)
  • wir legen die „Taille“ der Gitarre auf unseren linken Oberschenkel
  • der breite „Bauch“ der Gitarre befindet sich zwischen unseren Oberschenkeln und wird vom Rechten gestützt.
  • wir lehnen den oberen Teil des Gitarrenkörpers an die Mitte unserer Brust
  • und legen den rechten Arm auf die Zarge, genau auf die Kante des Körpers zur Körperdecke. Der Ellbogen soll dabei nicht über die Kante rutschen. Der letzte Abschnitt des Unterarms liegt noch auf der Kante
  • mit dem rechten Unterarm bauen wir eine gebogene Brücke bis zu den Saiten.
  • wir legen unsere Finger (nicht den Daumen) auf die dünnste, 1. Saite der Gitarre. Unsere „Brücke“ endet hier auf dieser Saite. Ihr höchster Punkt ist unser Handgelenk.
  • die Gitarre soll mit Hilfe des hochgestellten linken Oberschenkels so steil gestellt werden das der Kopf der Gitarre ungefähr auf Augenhöhe ist. (ca 45° Grad zum Boden)
  • der rechte Oberschenkel ist ganz gerade und parallel zum Boden. Er soll nicht abschüssig nach unten zeigen, damit die Gitarre nicht wegrutschen kann.
  • unser Rücken ist gerade!
  • die Gitarre sollte jetzt so gut und stabil sitzen, dass sie ohne die Hilfe der linken Hand perfekt hält und sitzt!
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Manchmal sagen Schüler zu mir, dass sie noch nie einen ihrer Popstars oder E-Gitarren-Helden mit einer Fußbank haben spielen sehen. Und sie haben natürlich recht. Dies ist die Haltung wie sie von klassischen Gitarristen bevorzugt wird.
Ich antworte darauf oft, dass sie sich die Haltung eines E-Gitarristen einmal genau ansehen sollen. Wie hat er die Gitarre umhängen? Und wie würde die Gitarre ihm wohl im Schoß liegen, wenn er sich mit ihr hinsetzen würde?

Ich will hier nicht diese Haltung „in den Himmel loben“ und alle anderen „verteufeln“, denn sie hat natürlich auch einige Nachteile. Das wichtigste ist, was ich zu Beginn schrieb. Die Gitarre muss stabil sitzen!

Aber die Vorteile dieser Haltung liegen auch sichtbar auf der Hand:
Die Gitarre hält hier fast von alleine stabil! Die linke (Greifhand) ist frei und kann sich voll auf das Greifen der Töne konzentrieren! Das Griffbrett ist nahe am Körper und die linke Hand muss zum Greifen nicht viel gestreckt werden, sie kann locker in der Nähe des Körpers bleiben.
Man kann mit geradem Rücken spielen und dennoch recht gut sehen was man macht ohne sich Vorne über beugen zu müssen.

Das wichtigste ist – ich wiederhole mich – vor allem, dass die Gitarre hier am wenigsten wackeln kann und man immer exakt die gleiche Position des Griffbretts halten kann.
Dies ist vor allem für Kinder beim Erlernen des Gitarre-Spielens wichtig. Zu Ihnen sage ich gern, wenn ihr später Fortgeschrittene und Cracks an der Gitarre seid, dürft ihr sie halten wie ihr wollt und sogar hinter dem Kopf spielen. Liebe Eltern junger Gitarristen, dies ist also auch ganz besonders ein Info-Artikel für Euch und ich hoffe ich konnte es nachvollziehbar hier vermitteln welches die vielen Vorteile, eines kleinen Gegenstandes wie einer Fußbank sein können. Je „hibbeliger“ und weniger still ein Kind sitzen kann, desto eher eignet sich diese „schul-mäßige“ Gitarrenhaltung.

Manche sagen auch mit recht, am Lagerfeuer, wenn ich da meine Gitarre auspacke, gibt es aber keine Fußbank. Und Ja! Das ist sowas von richtig! Und man braucht sie, wenn man ungezwungen am Lagerfeuer loslegt und seine Akkorde strummed, höchstwahrscheinlich auch nicht mehr. Denn dann spielt man auch auf einer hin- und her-wackelnden Gitarre sehr sicher und sitzt bestimmt auch in anderen Positionen mit der Gitarre schon sehr stabil. Hier sind wir nun auch bei einem wichtigen Nachteil der bei dieser Haltung entstehen kann. Das rhythmische Anschlagen von Akkorden (strumming) kann dadurch dass die Gitarre steil steht etwas schwieriger sein. Der rechte Arm geht in unserer Haltung nämlich nicht quer von oben nach unten über die Saiten, sondern diagonal, schräg. Somit hat man einen nicht ganz so direkten und längeren Anschlagsweg. Das ist nicht unbedingt von Vorteil. So kann es für manche Anfänger sinnvoll sein, falls das spielen von Akkorden Probleme bereitet, es einmal auszuprobieren, den Körper der Gitarre auf das rechte Bein zu setzen und ihn relativ fest (nicht krampfhaft!) unter den rechten Arm zu klemmen. Der Unterarm hilft da nicht mit und bleibt ganz locker um einen entspannten Anschlag mit Plektrum oder ohne ausführen zu können.

An alle Anfänger und Fortgeschrittene:
Was habt ihr für Erfahrungen bisher gemacht? Die E-Gitarristen unter euch: Habt ihr die E-Gitarre zu Beginn wie eine Klassische gehalten? Oder haltet sie immer noch so? Wie kommt ihr klar?

Euer Simon

Für Euch entdeckt:

Simon Steinhäuser

(Dipl. Instrumentalpäd. - Gitarrist)
Rheinstraße 27, 63303 Dreieich
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