Simon Steinhäuser – Musiker und Gitarrist

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Sep 24, 2019 | Behind the Scenes

FOKUSSIERUNG ALS MUSIKER, MEINE INSPIRATIONEN UND DIE SUCHE NACH DEM WAS MAN WIRKLICH WILL

Rechtzeitig wissen was man will – wie wichtig ist dies?
In der heutigen Zeit in der es eben genau jene nicht mehr zu geben scheint und alles schnell von statten gehen soll: Schule, Ausbildung, Studium, Karriere ; muss man sich vermehrt die Frage stellen was ist Effektivität und wie wichtig ist sie für das Vorankommen und für die eigene Entwicklung? Ist sie immer das aller Wichtigste, das non-plus-Ultra? Muss man immer recht schnell entscheiden und in jungen Jahren wissen was man will?
Will man sich beruflich auf den Weg eines Musikers begeben ist es zumindest ratsam.

Mein Leben als Mensch und Musiker scheint aus meiner heutigen, derzeitigen Sicht jedoch genau das Gegenteil von dem Anfang-Mitte Zwanzig-Jährigen darzustellen der schon weiß was er will, der seine Ziele klar vor Augen hat und der zu Beginn seiner beruflichen Karriere schon soviel know-how zu haben scheint, wie manch einer nach dem Abschluss seiner Ausbildung oder seines Studiums. – Zumindest kann einem diese Phänomen in Bereichen in denen junge Menschen für das wirklich „brennen“ was sie machen – was ja auch wirklich genial ist – immer wieder begegnen. Die Musik ist so ein Bereich!

Ich, Mitte der 80er geboren, habe im Vergleich zu manchem heutigem „Twentyonesomething“ bisher allerdings offen gestanden gefühlte Schwankungen `im Fluss des Lebens´ gehabt wie ein hoch spekulativer Aktien Fond. („Twentyonesomething“ ist übrigens ein hervoragendes Album von Jamie Callum)

Die große Frage die sich hier stellt, ist ob dies im Vergleich unbedingt negativ zu sehen ist? So offensichtlich rhetorisch wie diese Frage daherkommt so offensichtlich ist auch ihre Antwort. Nein!

Denn: So positiv und vorteilhaft es als Musiker und sozusagen „selfmade“ kreativer Mensch ist, schnellst-möglich klare Ziele zu haben, um in dieser heute oft so schlecht bezahlten Branche „sein Ei zu legen“ und voranzukommen, so ist es doch sehr von Vorteil einen Mehrwert aus den „up and downs“ mancher Lebenserfahrung für ein kreatives „buissy“ Leben zu ziehen. …. Frei nach dem Motto nur wer viel erlebt hat, kann auch viel erzählen, weitergeben und beispielsweise Songs mit tollen „Messages“ und Inhalten schreiben.
Eben genau diese Erfahrungen auch für einen kreativen Output nutzen.

Zu mir:

Mit 19 Jahren kam ich durch das Abitur. Dafür, dass ich immer starke Schwierigkeiten damit hatte auch Dinge zu lernen die mich eigentlich nicht interessierten, war Abschlussnote sehr zufriedenstellend.
Für jemanden der Musik in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt hat bin ich dann recht spät in die Richtung Musiker als Beruf gegangen.
Nach meinem Zivildienst und nach dem ich schon Pädagogik auf Magister angefangen hatte zu studieren entschloss ich mich dafür, es doch einmal mit der Gitarre zu versuchen. Nach Jahren des klassischen Gitarrenunterrichts und einer starken Gewichtung mit Musik als Hobby wollte ich es doch einmal versuchen mit einer Aufnahmeprüfung für ein Musikstudium mit Schwerpunkt: Gitarre. Lange rede kurzer Sinn. Danach hatte ich „blutgeleckt“. Klassik war das Anfang der 2000er „seriös“ zu wählende Musikstudium. (Zumindest aus der Sicht meines näheren Umfeldes) Mit einem Abschluss eines anerkannten Diploms in Instrumentalpädagogik und der Möglichkeit Aufbaustudiengänge hinten anzuhängen, gab es wenig was dagegen sprechen konnte.

Obwohl mein Herz immer schon mehr in der Pop und Rockmusik zu Hause war so hatte ich ein gutes Niveau auf der klassischen Gitarre und auch eine starke Affinität zu klassischer Instrumentalmusik. (Gesang im klassischen Stil war zugegebener Maßen noch nie nach meinem bevorzugten Geschmack…)
Mit zur Entscheidung trug aber auch bei, dass es damals in Deutschland einfach nicht genug Popmusik-Studiengänge gab, welche mit einem anerkannten und seriösen Abschluss daherkamen. Und die vorhanden privaten Studiums-Möglichkeiten kosteten oft hohe Gebühren. Da ich im Jazz damals noch lange nicht mein Interesse verankert hatte und damit auch noch keine Ahnung von und kein adäquates studiumstaugliches Niveau hatte, blieb auch nicht viel anderes „seriöses“ im Bereich der Musik übrig als ein Studium der klassischen Gitarre.

Im Nachhinein muss ich jedoch schon zugeben, dass auch damals schon ein Studium im Bereich der Popmusik anzustreben für mich nicht der verkehrteste Weg gewesen wäre.
Aber das ist natürlich müßig die heutigen Möglichkeiten mit den damaligen zu vergleichen. Es macht auch keinen wirklichen Sinn.

Fakt ist neben meinem Studium der klassischen Gitarre hatte ich weiterhin meine Rockbands aus der Zeit davor. Auf der E-Gitarre wurde ich stark von Gitarristen wie Mark Tremonti (Alter Bridge, Creed) beeinflusst, aber auch immer mehr von bluesigerem Gitarren-Stil a là Eric Clapton. Auch frühere Idole wie Slash und auch Jimi Hendrix kamen wieder mehr in meinen Fokus. Das alles wurde zunehmend mit meiner von Kindesbeinen andauernden Leidenschaft für die Beatles gepaart und mein Stil entwickelte sich immer mehr vom Rock weg in mehr Mainstream taugliche aber doch noch durchdachte und nicht abgedroschene Klänge eines Singer/Songwriter Stils, die von „bluesigem“ Spiel immer mehr durchzogen wurden. Während dieses Weges meiner gitarristischen Entwicklung hörte ich zum ersten Mal John Mayers großes Konzert „Where the light is – live in L.A.“.

Das haute mich komplett von den Socken er verband den Blues und auch älteren Blues-Rock a là Stevie Ray Vaughan wie kein anderer den ich zuvor gehört hatte mit eingängiger Popmusik.

Mit eingängig meine ich nicht die zwanzig verschiedenen 0-8-15-Pop-Songs, welche im deutschen Radio immer eine Zeit lang Tag täglich rauf und runter laufen, bis sie von den nächsten zwanzig abgelöst werden.
Mit eingängig meine ich populäre Musik die dem „normalen“ Gehör zugänglich bleibt, aber starke harmonische, melodische aber auch stilistisch verschiedenste Elemente miteinander verbindet. Mit eingängig meine ich, Kunst die „listenable“ bleibt für die breite Musik – i n t e r e s s i e r t e – Masse! Musik, welche auch mit anspruchsvolleren Harmonien arbeitet, die auch Einflüsse aus non-mainstream Stilen wie Jazz, Blues und anderen wie Soul und RnB zulässt, jedoch die starke anspruchsvolle „Aufhänger“ sogenannte „Hooks“ guter Popmusik beinhaltet, welche sich stark ins musikalische Gedächtnis des Hörers brennen.
Ganz vereinfacht könnte man auch von Ohrwurm tauglichen Melodien, rhythmischen Elementen und Textpassagen sprechen.
Solche Musik wollte ich machen und hatte ich in Ansätzen begonnen zu schreiben!

 „Playing popular music without compromise the things I have to be as an artist.“
(John Mayer)

 Diese Zitat von John Mayer trifft es auf den Punkt!
Hier endlich bekam ich also meinen Fokus auf den kreativen Teil meiner Arbeit. Hier kam er endlich zum Vorschein.

Nach meinem Studium der klassischen Gitarre mit dem Diplom im Studiengang Instrumentalpädagogig (IGP) fand ich deshalb kein weiteres Aufbaustudium (künstlerische Ausbildung) im Bereich der klassischen Gitarre erstrebenswert. Stattdessen begann ich Pop-Musik im eigenen Stil zu interpretieren und gründete ein Duo (Soul Between Strings), welches sich genau dies zur Aufgabe machte. Des Weiteren begann ich eine Weiterbildung im Bereich des Jazz und der Jazz-Gitarre. Mein E-Gitarrenspiel, was bis dato eigentlich autodidaktisch zu nennen ist, verwandelte sich noch einmal komplett. Die Elemente aus Rock verbanden sich mit denen des Jazz. Und zwar vollständig, was die ganze Technik von Anschlags-Arten und Grifftechnik bis hin zu musikalischem Spiel betrifft.
Wissen steigerte sich und Geschmack änderte sich, wurde erneuert, würde ich vielleicht eher sagen. Dies wirkte sich natürlich auch stark auf mein Songwriting aus. Songs wurden vielschichtiger und wurden von mir immer und immer wieder überarbeitet. Da ich noch kein eigenes Projekt im Sinne eines Songwriters einmal so richtig abgeschlossen hatte, wie zum Beispiel eine Platte zu veröffentlichen, wurde dies – meine Entwicklung – auch zu meinem Dilemma für den Singer/Songwriter Teil meines Musiker-Lebens. Ich wollte immer noch mehr und weiter perfektionieren. Neu gelerntes direkt immer wieder einarbeiten. Das hielt auf! Wer in der Kunst zu perfektionistisch ist und immer wieder überarbeitet, der wird nie etwas vollenden. (Mehr Inspiration hierüber und wie Perfektionismus der Kunst auch extrem schädlich sein kann kann man auch in dem tollen Buch: „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron nachlesen).

Viele Songwriter schreiben und schreiben und bringen ein erstes Werk (EP, Album, etc.) heraus und irgendwann ein Nächstes, sie wachsen von ihrem musikalischen Niveau und auch dem Niveau der Aufnahmen die sie produzieren meist mit jeder Veröffentlichung.
Das kann man sehr wohl auch bei populären und im heutigen Musikbusiness erfolgreichen Bands und Solo-Künstlern immer wieder heraushören.

Nun hatte ich aber aufgrund von einem sehr einehmendem Studium und dann durch rasantes ständiges Weiterentwickeln meiner Fähigkeiten und meines Geschmackes lange nicht meine wirkliche Stilrichtung gefunden. Ich war also etwas in meinem Wissen über musikalisches Niveau und dem Niveau von Recording gefangen. Aus diesen Gründen und auch anderen, dauerte die Suche nachdem, was ich wirklich als Musiker und vor allem Songwriter wollte lange. Eine Phase der Findung, die jeder Mensch irgendwie durchläuft, dauerte bei mir – auf musikalischer Ebene – an und verlängerte sich immer wieder durch neue Interessen. Man könnte auch sagen, ich war neben den anderen wichtigen Dingen, Studium, Ausbildung, Beruf und privatem Leben nicht schnell genug dabei ein Projekt auch einmal abzuschließen und neu erlerntes einfach beim nächsten Projekt umzusetzen.
So kam es, dass ich mit alten eigentlich schon fertigen Songs also immer wieder überhaupt nicht mehr zufrieden war. Eine Option wäre gewesen sie nun alle „in die Tonne zu kloppen“. Ich wählte jedoch diejenigen aus die eine für mich zufrieden stellende Qualität hatten und die mir emotional am Herzen lagen und begann dann diese Songs zu verfeinern.

Und wie es im Leben so ist, kommt dann immer auch privates und berufliches, eben Verschiedenes, Schönes wie auch Schicksalhaftes dazwischen. Weshalb es jetzt erst soweit ist, dass ich sagen kann endlich und längst überfällig werde ich sehr zufrieden mit dem Werk meine erste Platte sehr bald herausbringen.

Was habe ich aus diesem langen Weg gelernt? Definitiv, dass ich vielleicht einiges anders machen würde, einiges schneller umsetzen würde und mich nicht so viel mit kleinen Nebensächlichkeiten aufhalten würde. Der Blick fürs Detail ist gut und wichtig, aber er ist auch mit Vorsicht zu genießen. (Siehe Thema: Perfektionismus oben) Frühe Fokussierung auf das was man wirklich liebt und etwas mehr Wagemut hätten vermutlich nicht geschadet.
Jedoch bleibt auch zu sagen das ich diese Erfahrung, Wissen und eine gewisse Reife als Musiker nun wahrscheinlich nicht hätte.
Auch spielt natürlich auch privates eine große Rolle, indem ein Leben entstanden ist, welches auch viel Zeit benötigt und welches ich auch nicht mehr missen möchte!

Sofern man nicht schnell populären Erfolg als Musiker hat (was eher zu den unwahrscheinlichen Szenarien gehört und wenn dann oft eher von kurzer Dauer ist.) geht es heutzutage als Musiker in der jetzigen Gesellschaft im Großen und Ganzen um folgendes:
Ein berufliches Leben aufzubauen in dem man durch verschiedenste Einnahmequellen eine Chance hat von der Musik zu leben u n d man gleichzeitig seine musikalische Kreativität ausleben kann. Hier gibt es dann ganz ganz viele verschiedenste Lebensentwürfe. Zumindest ist es das, was ich heute, Stand 2019 aus meiner Geschichte als Fazit ziehen würde.

Wenn mich also heute jemand fragt wie es ist, Musik zu seinem Beruf zu machen und wie es sich damit lebt, dann würde ich genau zu obigem Ziel raten:

„Ein berufliches Leben aufzubauen in dem man durch verschiedenste Einnahmequellen eine Chance hat von der Musik zu leben u n d man gleichzeitig seine musikalische Kreativität ausleben kann.“

genauso aber auch glücklich ist mit dem was und wie man es macht!!!

Den Rest, zum Beispiel was man dann für sich persönlich oder was andere dann als Erfolg für einen betrachten, muss man abwarten. Oft hat ein gewisser gewünschter Erfolg ja wie in allen Branchen damit zu tuen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Aber auch dies kann man zumindest versuchen nicht ganz dem Zufall zu überlassen und dafür muss man sich heute mit allem was möglich ist ins Zeug legen, wenn dies für einen ganz persönlich extrem wichtig und erstrebenswert ist.

So gesehen ist natürlich eine zügige Fokussierung und eine schnelle Eingrenzung auf klare Ziele sehr wertvoll, weil man sich einfach schneller wie ich eben schrieb ins „Zeug legen“ kann. Jedoch sollte, wenn es nicht so ist, dies nicht als großer Nachteil gesehen werden, sondern eher als Chance aus verschiedensten Erfahrungen, die man durch einen vielleicht nicht so geradlinigen Weg gemacht hat, viele Werte zu schöpfen!

Jetzt ist der kleine Einblick in meine Story doch ein längerer Blog geworden. Aber vielleicht zeigt er dem ein oder anderen auf, dass es von Vorteil ist eine klare Vorstellung von dem zu bekommen was man will. Warum will ich Musik studieren? Warum bin ich Musiker? Warum will ich mich professionalisieren? Welche Ziele habe ich? Wenn es etwas länger dauert mit einer 100prozentig klaren Fokussierung ist es jedoch auch kein Weltuntergang, wie man wie ich denke an meinem Beispiel sehen kann.

Wenn es am Ende nur einem Menschen hilft bei der Frage: Musik als Beruf? JA / NEIN, dann freut es mich!

Euer Simon

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Simon Steinhäuser

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