Simon Steinhäuser – Musiker und Gitarrist

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Drop-Two- / Drop-Three-Voicing – Was ist denn das?

Okt 1, 2019 | An der Gitarre

Drop-Two- und auch Drop-Three-Voicings sind sehr wertvoll für dich als Gitarrist zu lernen, wenn du dich mit Jazz-Gitarre beschäftigen möchtest. Aber auch wenn du etwas mit komplexeren Begleit- (Comping) Möglichkeiten dein Gitarrenspiel erweitern willst.

An dieser Stelle soll es einmal eine ausführliche Erklärung zu diesen Akkorden geben, welche von Gitarristen verwendet werden, wenn vierstimmige Akkorde zum Einsatz kommen und abwechslungsreich und musikalisch begleitet wird.

Wenn dich ein „short-cut“ in diese Welt interessiert: —-> Lies bitte meinen BLOG
Schneller Einstieg in die Welt der vierstimmigen Akkorde“.

Wenn man Gitarre anfängt zu lernen und mit den ersten Akkorden in Berührung kommt nimmt man oft einfach an, dass der Lehrer / die Lehrerin einem völlig „normale“ und gängigen Akkorde beibringt.

Dies ist auch weitestgehend richtig. Für die Gitarre sind die erlernten Griffe völlig gängig und üblich. Auf dem sprichwörtlichen „Blattpapier“ sind sie jedoch spezielle Varianten viel einfacher aufgebauter Akkorde. Auf dem Klavier beispielsweise sieht die Anordnung der Töne innerhalb der Akkorde meist etwas anders aus. Aber das ist ein anderes Thema.

Wie sich Vierklänge für die Gitarre nun zusammensetzen, das wollen wir uns hier einmal zu Gemüte führen.

DROP-TWO-VOICING – Was ist denn das?

Dies fragte ich mich als ich den Begriff zum ersten Mal hörte. Ich kannte schon sehr viele Akkorde und auch schon viele ihrer Umkehrungen und irgendwie war der Begriff völlig an mir vorbeigegangen. Mir war gar nicht bewusst, dass ich viele der Drop-Two und auch Drop-Three Voicings schon längst verwendete. Ein Grund mag der oben beschriebene sein, dass es für mich einfach normal war die Chords und deren Umkehrungen in den speziellen Gitarrenversionen zu greifen. Mir war natürlich bewusst, dies sind Varianten einfacherer Strukturen. Nur war mir der Begriff noch nie untergekommen. Erst als ich mich vermehrt mit der Jazz-Gitarre beschäftigt habe, tauchte der Begriff immer wieder auf.

Ein klassisches Beispiel dafür, dass die Bezeichnung und der Name einer Sache oftmals nicht so viel Bedeutung hat wie das eigentliche Verstehen von Zusammenhängen und die richtige Umsetzung in der Praxis.

Aber nun zum Thema: Was bedeutet „drop-two“?

Es ist eigentlich recht schnell erklärt: Vierklänge sind nicht allzu einfach in einer „Engen-Lage“ auf der Gitarre zu greifen. Eine „Enge-Lage bezeichnet bei Vierklängen, Voicings welche zwischen den einzelnen „benachbarten“ Tönen keinen größeren Abstand als das Intervall einer Terz haben. Während ein Cmaj7 in Grundstellung mit den Tönen C – e – g – b noch recht leicht zu greifen ist, so bricht man sich bei einer Grundstellung von Dm7: D – f – a – c schon fast die Finger.
(Man spricht bei beiden Reihenfolgen von einer Grundstellung, da der Grundton gleich der Basston ist und die übrigen dazugehörigen Akkordtöne Terz, Quinte und Septime danach der Reihe nach angeordnet folgen)

Ganz sicher bricht man sie sich aber bei dessen 1. Umkehrung (1.Inversion) f – a – c – D.

Oder auch bei dessen 2.Umkehrung: a – c – D – f.

As diesem Grund spielt man auf der Gitarre meist „Weite-Lagen“ der Vierklänge.
„Weite-Lagen“ sind Voicings bei denen die einzelnen Töne durch größere Intervalle getrennt sein können und deren Töne nicht in der korrekten Order aufeinanderfolgen müssen.

Der für Gitarristen völlig gewöhnliche Akkord Dm7: D – a – c – f (siehe 3. Abb. oben) ist eine solche „Weite-Lage“, aber eben auch ein Drop-Two-Voicing von a – c – D – f.
Hier wird also der zweithöchste Ton hinunter in den Bass gesetzt (ge- d r o p -ed). Somit entsteht dadurch das Voicing: root – 5 – 7 – 3. Man könnte in diesem Fall auch sagen, der Terzton wird oktaviert, also eine Oktave höher gegriffen.
Dies war die Denkweise die mir immer inne wohnte, ohne dass in irgendeiner Form so gelernt zu haben. Sie erschien mir logisch. Logisch deshalb, weil ich grundsätzlich eher Grundton bezogen denke und eine Grundstellung immer ein Akkord ist bei dem der Grundton, die „ r o o t “ im Bass ist.

Die Denkweise dass also unser Drop-Two-Voicing D – a – c – f ein Drop-Two-Akkord der 2. Umkehrung von Dm7: a – c – f – D ist, erscheint mir bis heute häufig noch fremd und etwas zu verkompliziert. Sei es drum. Während des Spielens denkt da sowie in dieser Form keiner drüber nach.

Meiner Praxiserfahrung nach ist letzten Endes die Denkweise, wie herum man die Sache versteht nicht so wichtig, wie die Tatsache, welcher Ton im Bass und welcher in der Oberstimme liegt. Bei einem Drop-Two-Voicing mit Root-note im Bass ist immer der Terzton (3) der Ton der Oberstimme.

Das Rahmen-Intervall zwischen Bass und höchstem Akkordton ist hier also immer eine kleine oder große Dezime (Terz+Oktave). Im übrigen auch bei allen anderen, außer der letzten Umkehrung mit der Septime im Bass (7 – 3 – 5 – root). Hier ist das Rahmen Intervall eine kleine oder große None.

Es macht also Sinn, sich mit der Zeit bewusst zu machen wann, welcher Akkordton in der Oberstimme liegt und welcher liegt im Bass. Eine entscheidende Fragest also:

Welcher Ton liegt bei den jeweiligen Voicings in der Melodie?

Gerade der Blick darauf vom Melodie-Ton ausgehend zu erkennen welches Voicing genau diesen stützen/begleiten könnte kann zu ungeheuren Fortschritten auf dem Instrument führen. Es wird einem leichter fallen Melodien mit Akkorden zu harmonisieren, sogenannte „chordmelodies“ zu bilden und zu kreieren.

Das Prinzip der D r o p – T h r e e – Voicings ist exakt das Gleiche. Hier wird der dritte Ton von oben herab in den Bass gesetzt. Eine Grundstellung (root-note im Bass) hat hier immer das Voicing: root – 7 – 3 – 5. Hier ist also wenn die Root im Bass liegt immer die Quinte (5) in der Oberstimme. Das Rahmen-Intervall ist hier bei einer Grundstellung also immer eine Quinte. (duo-dezime = quinte+oktave)

Wenn du dich nun für all die Optionen und Griffbilder der Drop-Two und Drop-Three-Voicings interessierst kannst Du mir gern hier eine Mail senden und ich schicke Dir eine Auflistung aller wichtigen Akkorde.

Ich empfehle allerdings immer mit den Drop-Two´s mit Basston auf der D-Saite zu beginnen, da hier wirklich fast alle recht unkompliziert greifbar sind. Bleib ruhig auch für den Anfang erst einmal nur bei diesen. Du wirst schon ganz anders durch sie begleiten können und nicht gleich in geistige Überforderung geraten, durch zu viele andere Möglichkeiten.

Bei den Griffen mit Basston auf der A-Saite wird es auch gerade bei den Drop Three bei einigen nicht ganz so einfach. Man kann sich hier gern die Frage Stellen, in wie weit man die komplizierteren Griffen erlernen sollte und ob die Zeit welche man dafür aufbringt nicht vorerst für andere Dinge sinnvoller eingesetzt werden kann. Zu späterem Zeitpunkt macht es dann sicherlich Sinn auch einmal die weniger häufig verwendeten Griffe zu erlernen.

Zum Abschluss will ich noch einmal etwas ganz generelles sagen, was vielleicht weiter oben schon etwas angeklungen ist.
Um wirklich schnell Griffe zu lernen, zu verstehen und vor allem um nicht jeden Griff nur weil er ein paar zusätzliche Töne als Option hat, als neuen Griff lernen zu müssen, ist es essentiell bei den einzelnen Voicings zu wissen auf welcher Saite jeweils welches Akkord-Intervall (root – terz – quinte – septime) liegt. Mit diesem wissen ist es nämlich dann ein leichtes aus einem G7 einen G9 zu machen oder gar einen G7#5 oder G9sus oder G7#11 um nur ein paar Akkorde mit Optionstönen aufzuzählen.

In diesem Sinne „keep on (Jazz-) rockin…“

Euer, Simon

Für Euch entdeckt:

Simon Steinhäuser

(Dipl. Instrumentalpäd. - Gitarrist)
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